Freitag, 26. Januar 2018

Vom kleinen großen Glück

Heute mag ich euch eine kleine Geschichte erzählen, die ich diese Woche erlebt habe.

Ich war auf dem Nachhauseweg von der Arbeit und muss immer eine stark befahrene Straße nehmen, die mitten durch den Nachbarort führt. Es gibt dort nur wenige sichere Möglichkeiten für Fußgänger die Straße zu überqueren. Auf mehreren Kilometern hat man meist nur die Möglichkeit sich auf winzige Verkehrsinseln in der Mitte der Fahrbahn zu quetschen. Da ich dort selbst schon mal zu Fuß unterwegs bin, weiß ich, was für ein unangenehmes Gefühl das ist, wenn man dort stehenbleiben muss und vor und hinter einem die Autos vorbeifliegen. Es gibt wirklich schöneres, besonders wenn man Kinder dabei hat. Deshalb halte ich grundsätzlich an, sofern ich die Fußgänger früh genug sehe und der Fahrer des nachfolgenden Autos schon mal etwas von Sicherheitsabstand gehört hat.

An dem Tag habe ich also schon frühzeitig gesehen, wie eine Mutter mit ihrem Sohn, den sie gerade vom Kindergarten abgeholt hatte, die andere Straßenseite überquerte. Also hab ich brav gebremst und die beiden rübergelassen, denn gerade wenn kleine Kinder auf der Verkehrsinsel stehen, kann ich es nicht verstehen, warum man nicht kurz anhält und sie sicher auf die andere Straßenseite lässt. Wie schnell hat sich ein Kind mal losgerissen und rennt über die Straße oder es zappelt herum und stürzt. Dinge, die ich mir gar nicht vorstellen mag.

Jedenfalls bedankte sich die Mutter per Handzeichen, was leider auch nicht jeder macht, für den man anhält. Und wie man das so macht, gab ich ihr auch ein Handzeichen, dass ich ihren Dank bemerkt hatte. Das sah der kleine Mann an der Hand seiner Mutter und fing mit einem freudigen Lachen an zu winken. Da ich ein paar Sekunden braucht, um die Hand wieder vom Lenkrad zu nehmen und ihm auch zu winken wurden seine Bewegungen immer heftiger. Als er dann sah, dass ich ihm zurückwinke, ging ein Strahlen über sein Gesicht und die Augen leuchteten, wie das nur bei kleinen Kindern der Fall ist, die noch nicht viel von der großen weiten Welt und den hohen Erwartungen der Erwachsenen wissen, und sich noch über die kleinste Kleinigkeit begeistern können.

Die Mutter bemerkte die Freude ihres Kleinen, freute sich mit ihm und schenkte mir ein dankbares Lächeln. Auch ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon ein breites Lächeln im Gesicht, weil die ehrliche Freude des kleinen Mannes einfach so herzerwärmend war. Und auch jetzt, wo ich diesen Post schreibe, kann ich nicht anders, als wieder ein breites Lächeln aufzusetzen.

Es hat mich nicht mehr gekostet, als ein paar Sekunden meiner Zeit, doch ich habe so viel dafür zurückerhalten. Der Kleine war an dem Tag, der wieder mal, wie so oft in letzter Zeit, aus grau in grau bestand und eine entsprechende Trübe-Tassen-Stimmung bei mir hervorrief, meine lang vermisste Sonne. Obwohl ich die Nacht zuvor wirklich schlecht geschlafen hatte, fühlte ich mich auf einmal so erfrischt und energiegeladen. Die schlechte Laune war verflogen und ich war einfach nur glücklich und zufrieden.

Es ist schon witzig, dass es ein kleines Kind braucht, um uns daran zu erinnern, was wir in unser Überheblichkeit oder Oberflächlichkeit als Erwachsene längst vergessen haben: Es ist nicht Besitz, der uns glücklich macht, oder viel Geld auf dem Konto oder weite Reise und großartige Erlebnisse. Dieses Glück ist nur von kurzer Dauer. Es sind die kleinen Dinge, die Momente, in denen wir uns einander verbunden fühlen, die wirklich wertvoll sind und die uns lange glücklich machen. Und die kosten in der Regel nichts außer unserer Aufmerksamkeit und vielleicht einen Augenblick unserer Zeit. Glück gibt es umsonst und für jeden, wir müssen nur offen dafür sein.

Ich bin jedenfalls dankbar für diese Lektion und hoffe, dass sie nicht wieder schnell vom Morast des Alltagstrotts zugeschüttet wird. Ich werde jedenfalls mein bestes tun, damit sie mir diesmal erhalten bleibt.

Sicher habt ihr auch schon mal so ein kleines großes Glück erlebt. Mögt ihr mir davon erzählen? Ich würde mich freuen.


Jetzt lasse ich euch noch schnell ein "Lächeln der Erde" da, weil ihr meines ja nicht sehen könnt und wünsche euch ein schönes Wochenende. Genießt eure Zeit und denkt dran: Das Glück ist umsonst und überall, man muss es nur hereinlassen. Mein Glück wird jetzt jedenfalls noch schnell beim Freutag geteilt, damit es sich vermehren kann.

Liebe Grüße
                Andrea

Kommentare:

  1. Ein entzückendes Erlebnis, liebe Andrea, und ich finde auch, dass wir diesen kleinen Gesten viel öfter viel mehr Aufmerksamkeit schenken sollten. Danke für dieses schöne Erlebnis, das du mit uns geteilt hast! Schönes Wochenende!
    LG. Susanne

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    1. Vielen lieben Dank für deinen Kommentar, liebe Susanne. Ich hab die Geschichte gerne mit euch geteilt.

      Liebe Grüße
      Andrea

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  2. Liebe Andrea,
    das ist wirklich eine sehr schöne Geschichte. Und du hast so schön geschrieben. Ja, manchmal sind es wirklich die ganz kleine Dinge, die einem ein Lächeln auf's Gesicht und in den ganzen Tag zaubern können. Ist es nicht beruhigend zu wissen, dass es gar nicht so viel braucht, um aus nem tiefen grauen Loch herauszufinden?
    Ich danke dir sehr für diese Geschichte, denn auch beim Lesen hatte ich ein breites Lächeln auf dem Gesicht und sehe den kleinen Jungen immer noch winken.
    Ich wünsche dir einen schönen Tag und noch viele winkende Kinderhände auf deinem Weg.
    Liebe Grüße, Sandra

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    1. Dankeschön, liebe Sandra. Schön, dass dir meine kleine Geschichte gefällt und dir meinen Schreibstil gefällt. Und ja, es ist ganz wundervoll zu wissen, dass es zum Glücklich sein eigentlich nichts braucht. Wie schön, dass ich dir auch ein Lächeln zaubern konnte.

      Liebe Grüße
      Andrea

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  3. Liebe Andrea!
    Ein Sprichwort heißt: Ein Lächeln kostet weniger als Geld und bringt mehr Glück!
    Ich stelle es so oft fest, wieviel Glück ein wenig Freundlichkeit hervorruft.
    Eine schöne, wahre Geschichte!
    Liebe Grüße
    Doro

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    1. Das kenne ich gar nicht. Werde ich mir aber merken. Ich finde auch, dass wir mit ein bisschen Freundlichkeit viel Glück stiften können. Deshalb achte ich sehr darauf. Schön, dass dir meine Geschichte gefällt.

      Liebe Grüße
      Andrea

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  4. Wie glücklich man durch ein Lächeln und eine kleine Geste wird...in dem man einfach nur mal einem völlig Fremden eine kleine Freude macht. :) Ich wünsche dir das du diese kleine Geschichte nicht so schnell vergisst und jeden Tag deine kleine oder große Sonne findest! :)

    Liebe Grüße sendet dir die Nähbegeisterte

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    1. Das hoffe ich auch. Der Alltag verleitet einen unaufmerksam durch die Gegend zu hetzten. Dankeschön für deinen lieben Kommentar.

      Liebe Grüße
      Andrea

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  5. Eine schöne Geschichte, die nur fröhlichere Menschen hinterlässt, so sollte es sein - immer! LG Ingrid

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    1. Ja, so sollte es sein. Aber das Gute ist, wir können alle etwas dafür tun, dass es so ist.
      Vielen lieben Dank für deinen Kommentar.

      Liebe Grüße
      Andrea

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  6. Hallo, Andrea :-)

    Ich bin zu Tränen gerührt, so schön!
    Mir persönlich gefallen solche (ähnlichen) Erlebnisse auch immer sehr, weil sie einen rapide vom hohen Ross runterholen und die wirklich wichtigen Dinge im Leben in einer gefühlten Sekunden-Begebenheit so klar vor Augen führen. Solche Momente gibt's leider viel zu selten, aber immerhin gibt es sie :-)

    Herzliche Grüße,
    Jenny

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    1. Ja, das tun sie. Sie erden einen ganz schnell. Ich denke, die Gelegenheit zu solchen Momenten haben wir jeden Tag und das nicht nur einmal. Aber wir sich viel zu unaufmerksam, diese Gelegenheiten wahrzunehmen, weil wir in Gedanken schon viel zu weit vorausgeeilt sind, anstatt im Jetzt zu sein. Diese Momente erinnern einen daran, den keinen Dingen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

      Liebe Grüße
      Andrea

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  7. Danke Andrea,ndas du uns an diesem schönen Erlebnis hast teilnehmen lassen. Ich hatte auch sofort beim Lesen ein Lächeln im Gesicht.
    Solche kleinen Glücksmomente braucht jeder und man sollte viel mehr darauf achten, sie nutzen und wahrnehmen.
    Vielen Damk. Du hast mir meinen trüben, nebligen Samstag damit versüßt.
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Christine

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    1. Wie schön, dass dir die kleine Geschichte den grauen nebligen Samstag versüßen konnte. Ist hier leider auch nicht besser, hab mir aus Frust schon Kekse gebacken.

      Liebe Grüße
      Andrea

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Hallo ihr Lieben,

herzlichen Dank für euren Kommentar! Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr ich mich über jeden einzelnen freue! Manchmal kann es ein bisschen dauern, bis ich die Kommentare freischalte, also nicht erschrecken, wenn ihr sie nicht gleich sehen könnt.

Herzlichste Grüße
Andrea